Workshop Zeichentechniken für Tischler

Kundenwünschen mit Skizzen eine schöne Gestalt geben

Andreas Modzelewski führte alle Techniken und Kniffe, die er erklärte, auch gleich auf dem Papier vor.

Mit dynamischen, aber leichten Strichen deutet Andreas Modzelewski Boden und Decke an, er skizziert zügig Türen, Tische und Sideboards, verstärkt manche Striche für mehr Tiefenwirkung, ergänzt Schraffuren für Schattierungen und akzentuiert mit einem grauen Marker Kontrastflächen. Bei jedem seiner Schritte erläutert der studierte Kommunikationsdesigner ausführlich, welche Technik er anwendet – und welche Wirkung man damit erzielen kann.

Innerhalb kürzester Zeit sind so unter anderem  eindrucksvolle dreidimensionale, perspektivische   Zeichnungen von einer Couch, einem Sideboard aus mehreren Blickwinkeln und von verschiedenen Räumen entstanden: „Mit Stift und Papier ist man sehr schnell – bis man den Computer für eine digitale Zeichnung hochgefahren hat, ist die Skizze schon fertig“, sagt der Gründer der Akademie Ruhr in Bochum, der den zweitägigen Tischler-NRW-Workshop Ende März in Dortmund geleitet hat.

Ein Skizzenbuch und graues Papier, 2H-Bleistifte für leichte Striche und 2B für Kontraststriche, einen weißen Buntstift, Kuli und zwei Textmarker oder spezielle Marker in Grau oder Braun – mehr Material sei nicht nötig, sagt Andreas Modzelewski. Jeder könne die Techniken erlernen und schnelle, überzeugende Skizzen erstellen. Das braucht allerdings seine Zeit, denn beim Zeichnen macht das Talent nur 5 Prozent aus, 95 Prozent kommt mit der Übung: „Das ist das A und O, um ein Gefühl für die richtige Strichstärke zu entwickeln, damit Tempo in die Zeichnung hineinkommt“.

Beim Workshop mit dabei ist auch der Tischlermeister Arno Latz aus Zülpich. Der Betriebsinhaber hat lange keinen Zeichenstift mehr in der Hand gehalten: „Das Zeichnen haben bisher meine Mitarbeiter übernommen, aber sie finden dafür keine Zeit mehr. “Ihn habe das Zeichnen von Hand so sehr überzeugt, dass er auch seinen Kollegen in der Innung Euskirchen zum Besuch des Zeichenworkshops, der in Dortmund wiederholt werden wird, raten will.

Andreas Modzelewski ermutigt die Teilnehmer, Lineal und Radiergummi ganz wegzulassen: „Der Kunde erwartet keine perfekte Zeichnung, sondern eine Skizze, die das Handwerkliche vermittelt.“ Aus eigener Erfahrung weiß der Kommunikationsdesigner, dass geskribbelte Handzeichnungen auf Kunden emotionaler wirken als die perfekten, aber auch etwas nüchternen computergenerierten Visualisierungen. Das sei für ihn einer der entscheidenden Vorteile der Handzeichnung: „Die Zeichnung stellt eine persönliche Bindung zum Kunden her“. Vorteilhaft sei auch, dass Wünsche während des Gesprächs spontan umgesetzt werden können, sodass sich der Kunde am Gestaltungsprozess beteiligt fühle. Detaillierte digitale Visualisierungen können auf Wunsch auch noch im nächsten Schritt realisiert werden, wenn der Kunde den Auftrag bereits erteilt hat – und der Zeitaufwand in die Kalkulation einfließen kann.

Hoch professionell wirken schon die Handskizzen von Katharina Hinzelmann aus Raesfeld, die nach der Elternzeit gerade wieder in ihren Beruf als Innenarchitektin einsteigt. Sie kümmert sich in der Tischlerei ihres Ehemannes Jan Bernd Hinzelmann vor allem um die Privatkunden. Vor der Babypause habe sie fast nur am Computer gezeichnet, sagt die Architektin: „CAD- Zeichnungen brauchen einfach zu lange. Ich wollte wieder reinkommen in das Zeichnen von Hand und kann hier vieles mitnehmen – mir macht das richtig Spaß.“

Auch dem Tischlermeister Thomas Schenker geht das Zeichnen leicht von der Hand: „Ich wollte das, was ich mal auf der Meisterschule gelernt habe, wieder auffrischen. Außerdem habe ich neue Tipps und Kniffe gelernt“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Tischlerei in Herten. Seine Tischlerei kommt bisher ohne CAD-Programm aus. Mitgebracht hat er seinen Werkstattleiter, den Gesellen Björn Röwekamp: „Immer mehr Kunden fragen nach einer Zeichnung.“ Er habe in dem zweitägigen Seminar neu gelernt, eine perspektivische Zeichnung herzustellen: „Das ist viel aussagekräftiger als eine klassische Schulzeichnung. Ich finde das Seminar großartig.“

Bildzeilen: Handgezeichnete Skizzen vermitteln den handwerklichen Charakter wesentlich besser als CAD-Visualisierungen.

Perspektivische Bleistiftzeichnungen mit gezielt eingesetztem farbigem Marker können Kundinnen und Kunden helfen, sich für eine Einrichtung zu entscheiden.

Andreas Modzelewski führte alle Techniken und Kniffe, die er erklärte, auch gleich auf dem Papier vor.

Quelle: Tischlerei_NRW_04/19_Zeichenseminar

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